Carré 18.Ausgabe 12/2000
Banker einmal anders...
Ninjutsu - klingt sehr japanisch. Ist es Kochkunst, Sport oder Handwerkstechnik?
Ninjutsu ist eine alte japanische Kampfkunst, die Kunst der Ninja. Allerdings gibt es Ninja wie im feudalen Japan schon lange nicht mehr.
Wie sind Sie zu diesem außergewöhnlichen Sport
gekommen?
Ich interessiere mich schon seit meiner Kindheit für japanische (Kampf-)sportarten. Am Anfang habe ich Judo gemacht und mich in Karate versucht. 1992 bin ich dann auf Empfehlung von Freunden mit zum Ninjutsu-Training gegangen, und dann wußte ich: das ist es!
Was ist das Besondere an dieser Sportart?
Daß es eigentlich keine Sportart ist, sondern eine Lebenseinstellung. Man betreibt Ninjutsu nicht, man lebt es. Es geht dabei nicht ausschließlich um Techniktraining, sondern auch um innere Einstellung und Verständnis für den "Weg des Herzens".
Und: Es ist kein Wettkampfsport. Zwar kann man auch im Ninjutsu Graduierungen erringen, aber dies ist für mich kein wirkliches Ziel. Für meine Trainerlizens (ich bin in unserem Verein Gruppenleiterin) bin ich manchmal gezwungen, eine Prüfung abzulegen. Ansonsten ist man im Ninjutsu sehr frei im Ausführen der Techniken.
Natürlich gibt es Basistechniken wie Rollen, Fallschule, Hebel, Tritte, Würfe, etc., die man beherrschen muß. Später kann man aus diesem Repertoire wählen, kombinieren, um sich der jeweiligen Situation möglichst optimal anzupassen.
Faszinierend finde ich die Vielfalt, die sich daraus ergibt, so daß in der heutigen Zeit schnell eine zusammengerollte Zeitung, Handy oder Handtasche zu einer Art Waffe werden können.
Können Sie uns etwas zur Geschichte dieser Kampfkunst sagen?
Ninjutsu ist die Kriegs- und Kampfkunst der japanischen Schattenkrieger, welche sich vor cá 1500 Jahren aus verschiedenen asiatischen Einflüssen im feudalistischen Japan entwickelt hat. Großteils wurde Ninjutsu im Geheimen gelehrt bzw. innerhalb von Familien weitergegeben und war so nur wenigen zugänglich.
Im feudalen Japan waren die Ninja dazu ausgebildet, im Verborgenen zu operieren. Sie waren das Gegenstück zu den Samurai (den "Guten"), sie waren Angreifer und Auftragskämpfer. Daher stammt sicher die weit verbreitete Auffassung, Ninjutsu sei die Kunst des Tötens, was durch die diversen Ninja-Filme noch unterstützt wird. Leider gibt es nur wenige gute Filme in diesem Genre, meist sind sie nur Show. Von der Ninjutsu-Philosophie spürt man nichts.
Welche Philosophie?
Im Ninjutsu lernt man als erstes, den Körper als eine Einheit zu bewegen, d. h. man benutzt den ganzen Körper bei allen Aktionen und nicht nur einzelne Gliedmaßen. Bewegung spielt eine ebenso große Rolle wie Schnelligkeit. Das Ninjutsu ist die Möglichkeit, den Geist und die Ausdauer zu schulen, um mit der Natur in Einheit fließen zu können.
Was mir daran so gefällt, ist, daß innere Werte, wie Selbstdisziplin und Ruhe gefördert werden. Dies hilft auch, Probleme im Alltag ganz anders anzugehen. Ja, in der Ruhe liegt wirklich die Kraft.
Wie und wie oft trainieren Sie?
Ich trainiere zweimal pro Woche in der Halle oder im Außengelände. Dabei geht es neben Basistechniken um wirkungsvolle Abwehr von Angriffen und effiziente Selbstverteidigungsstrategien. Wir benutzen auch Hilfsmittel im Kampf wie Stöcke, Seile, Schwert und Messer.
Hin und wieder trainieren wir auch mit Wurfsternen. Allerdings nutzen wir selbstgebastelte Wurfsterne aus Gummi, so daß im allgemeinen Verletzungen ausgeschlossen sind. Besonders froh bin ich, daß ich schon in Amerika und in Japan Ninjutsu trainieren konnte.
Für wen ist Ninjutsu besonders geeignet?
Eigentlich für jeden. Jeder Körper ist anders und Ninjutsu ist so flexibel, daß es jeder mit den ihm gegebenen körperlichen Fähigkeiten umsetzen kann.
Gibt es eigentlich einen Ninja-Gruß oder Kampfspruch?
Beim Training gibt es eine festgelegte Abfolge von Begrüßungsformen, die tradtionell überliefert wurden. Die Schüler sitzen im "Seiza", d. h. im Kniesitz vor dem Lehrer und versenken sich anfangs in eine Art Meditation, die dazu dient, sich aufs Training einzustimmen. DAnach begrüßen sich Lehrer und Schüler mit einer Verbeugung, wobei die Worte "Onegai shimasu" ("Bitte unterrichte mich") gesagt werden. Zur Verabschiedung sagt man "Domo arigato gozaimashita", eine besonders höfliche Form des Wortes DAnke auf Japanisch, und bedankt sich damit gegenseitig für die erhaltene Lektion.
Domo arigato gozaimashita, Frau Reuter!
PS: Wer Interesse hat, kann mit Frau Reuter ein Probetraining vereinbaren.
Constanze Woigk im Gespräch mit Nadine Reuter (24).
ZUM ANFANG
C O P Y R I G H T · 2001 · S A N M O N · D O J O